Vom Rohstoff Uran bis zur Atombombe, von der ausbeuterischen Erzgewinnung bis zur gefahrvollen Erzeugung von Strom aus Atomkraftwerken, über die Geschäftsinteressen, über geopolitische Machtkalküle, nicht zuletzt auch über das Totalversagen aller Akteure im Umgang mit strahlendem Müll – der URANAtlas, 2019 erstmals veröffentlicht, zeigt die komplexen Verschlingungen der Atomwirtschaft umfang- und aufschlussreich auf. Anlässlich der 2026 erweiterten Neuauflage stellen wir in unserem aktuellen Podcast Don’t Nuke the Climate dieses äußerst empfehlenswerte Nachschlagewerk vor.
Der Uranatlas – Daten & Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters
Hinweis:
Fukushima strahlt immer!
Am 10. März 2026 gemahnten die engagierten Kämpfer_innen der Wiener Plattform Atomkraftfrei! gemeinsam mit den Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie beim Wiener Stephansplatz der Atomkatastrophe von Fukushima. Dieses Video von Jewgenij Kuschnow ist dabei entstanden, Mütter gegen Atomgefahr waren auch vor Ort – und durften ganz spontan mit reinfunken!
Fukushimas Warning
Mütter gegen Atomgefahr unterstützen die Petition Fukushimas Warning, gestartet von der flämischen Organisation 11Maart Beweging anlässlich des Fukushima Jahrestags. Die Forderung darin, die am 11 März in Brüssel im Rahmen einer Protestkundgebung an die Europäische Union übergeben wird:
Stop financing nuclear problems and start implementing climate solutions
Hintergrund:
Die Katastrophe von Fukushima jährt sich heuer zum 15. mal – und die japanische Regierung will AKWs, die seit 2011 auf Grund der latenten Erdbebengefährdung zu Recht abgeschaltet waren, reihenweise wieder in Betrieb nehmen. Diese Entwicklung stellt ein Paradebeispiel dar, wie realitätsverweigernd und menschenverachtend die Atomlobby ihre Interessen politisch durchzudrücken versucht.
Mehr dazu auch in unserem Podcast ‚Don’t Nuke the Climate‘ im Feber 2026, erstausgestrahlt wie immer an jedem 4. Dienstag im Monat um 15 Uhr im Freien Radio Freistadt bei einem Gespräch mit einem der Initiator, Marc Alexander.
Don’t Nuke the Climate: Fukushimas Warning – auch zum Nachhören auf allen gängigen Podcastplattformen!
Weitere internationale Aktivitäten zum Fukushima-Bedenktag:
Wiener Plattform Atomkraftfrei
.ausgestrahlt
IPPNW
Campact
Atomverseuchte EU-Taxonomie: wie verbessern?
„Die Initiative wird den delegierten Rechtsakt der EU zur Umwelttaxonomie überprüfen, um die technischen Prüfkriterien zu aktualisieren und zu vereinfachen.“ So lautet der Anspruch dieser EU-Konslutation, zu der die Öffentlichkeit bis 5. Dezember d. J. Stellungsnahmen einbringen konnte. Was aber, wenn das gesamte Regulativ – also die EU-Taxonomie in geltender Rechtsform selbst – in Frage zu stellen ist, da darin vorgesehen ist, Investitionen in Atomkraft als nachhaltiges Wirtschaften geltend machen zu können? Hier unsere Eingabe – ein Versuch:
Es ist müßig, Verbesserungsvorschläge und Vereinfachungen für Prüfkriterien einer Verordnung zu diskutieren, deren grundsätzliche Ausrichtung in-sich fragwürdiger nicht sein könnte.
Mittels Taxonomie-Verordnung den ‘Green Deal’ mit einer finanziellen Orientierungshilfe, einer Art ‚Investitions-Kompass‘ auszustatten, war eine begrüßenswerte Ambition. Im zweiten Delegierten Rechtsakt zur EU-Taxonomie hat die EU-Kommission jedoch auch der Atomindustrie den prinzipiellen Zugang als Maßnahme für nachhaltiges Wirtschaften eröffnet. Damit hat sie dem Regelwerk in seiner Gesamtheit den ungustiösen Stempel der Unglaubwürdigkeit aufgedrückt. Ein historischer Fehler.
„Do-No-Significant-Harm“ – eine Bedingung, die Atomanlagen gleich in mehreren Kategorien nicht erfüllen können. Vom Abbau radioaktiver Materialien, deren Aufbereitung bis hin zur Zwischen- und Endlagerung abgebrannter Brennstoffe – nichts davon kann ohne erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt bewerkstelligt werden. Mangelnde Resilienz gegen bereits jetzt unleugbare und unumkehrbare meteorologische Auswirkungen durch den Klimawandel wie Überflutungen, Dürren, Flächenbrände reihen sich dazu und befeuern die potenziell ohnehin hohe Störanfälligkeit der sensiblen Anlagen noch zusätzlich.
Sämtliche Ausprägungen von Atomanlagen sind bekanntermaßen Technologien, die zu risikobehaftet sind, um auch nur annähernd ausreichend Haftpflicht-versicherungsfähig zu sein. Allein dieses Merkmal sollte ausschließen, dass sowohl Neubau als auch Laufzeitverlängerungen von AKW in einen Kriterienkatalog für Investitionen in wirtschaftlich nachhaltiges Handeln einbezogen werden dürfen.
—> Wie auch die Republik Österreichisch fordern wir, die Förderwürdigkeit von Atomkraft im Rahmen der Taxonomie-Verordnung zu streichen.
SMR-Träume in der EU
Angetrieben von den amtsbekannten Atomfanatikern der Europäischen Union hat die Kommission im Februar 2024 die ‘Europäische Industrieallianz für kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMRs)’ ins Leben gerufen, um die erfolgreiche Umsetzung der ersten SMR-Projekte in Europa bis Anfang der 2030er Jahre sicherzustellen. Was für eine Zeit- und Geldvergeudung!
In einer öffentlichen Konsultation konnte man bis 4. Dezember seine Stellungnahme dazu einbringen. Mütter gegen Atomgefahr haben das getan – wie folgt:
Die Absicht der Europäischen Union, zur Erreichung der Klimaziele auf Kleine Modulare Reaktoren / SMR-Technologie zu setzen, halten wir (Mütter gegen Atomgefahr) für einen schweren Fehler. Warum?
- Tempo:
Um eine sichere, zukunftstaugliche Energieversorgung für unseren Kontinent zu gewährleisten, ist es unerlässlich, erprobten und zudem rasch verfügbaren Quellen den unbedingten Vorrang zu geben. SMR, deren Entwicklung sich zum aktuellen Stand im ausschließlich experimentellen Bereich befindet, können daher keinen Lösungsbeitrag im vorgegebenen Zeitraum von wenigen Jahren leisten.
Zum heutigen Stand existieren weltweit zwei realisierte Exemplare, je einer in Russland und in China, beide mit wirtschaftlich fragwürdiger Kosten-Nutzen-Ausprägung. Mehrere Forschungsprojekte sind zudem in den letzten Jahren auf Eis gelegt worden oder gänzlich gescheitert. Zahlreiche weitere Konzepte (weit über 100) stecken in div. Planungsphasen fest, weit weg von jeder Realisierbarkeit. Angesichts dieser Fakten wäre es geradezu unseriös, zur Sicherung der europäischen Energieversorgung auf eine derartig diffuse, unabsehbare technische Hoffnungen zu setzen. - Kosten:
Auch die wirtschaftliche Frage stellt sich: Mit welchem vernünftigen Argument sollten zur Verfügung stehende Investitionsvolumen nicht in Erneuerbare Energien, welche seit Jahren verlässlich, quasi ‘ergebnisgesichert’ performen, gelenkt werden? Oder in ohnehin unerlässliche (Stichwort E-Mobilität) Speichertechnologien ? In intelligente Netzsysteme? In Energieeffizienz, in Optimierungen des Einsparpotenzials? Sämtliche bisherige Beispiele, sowohl theoretisch als auch realisiert, lassen eher befürchten, dass mit dem Forcieren vom SMR ein sicherer Pfad in Richtung Stranded Costs gelegt wird. - Abhängigkeiten:
Atomtechnologie ist und bleibt abhängig von spaltbarem Material, welches nach wie vor aus unsicheren Drittstaaten importiert werden muss. Warum die Fehler der Vergangenheit wiederholen? Warum weiterhin aggressiven, unberechenbaren Machthabern den Schüssel zur Abhängigmachung Europas in die Hand spielen? - Atommüll, Proliferation, Angreifbarkeit:
Es gibt durchwachsene Hinweise darauf, dass durch SMR in der Relation ebenso viel, zT sogar toxischerer Atommüll entsteht. Die kategorisch nötige erhöhte Anzahl an Reaktoren, zT in dezentralem Einsatz, steigert logischerweise auch die Exposition durch gezielte oder ungezielte Angriffe von außen – und zudem auch den möglichen Zugriff auf waffenfähiges Ausgangsmaterial.
—>>> Die Mütter gegen Atomgefahr ersuchen die Europäische Kommission dringend, ihre SMR-Pläne eingehend zu überdenken und im Hinblick auf die drängenden aktuellen Anforderungen an Europas Energiezukunft auf Maßnahmen zu setzen, die schneller, kostengünstiger, sicherer sind und nicht zuletzt unseren Kontinent unabhängiger machen werden.







